Die Sieben Zweige der Guten Lebensführung

Die Sieben Zweige der Guten Lebensführung

Der Gesang über die Sieben Zweige der Guten Lebensführung von Je Tsong-khapa (1357 - 1419) benennt alle Aspekte des Leids und zeigt Wege zu dessen Überwindung. Es ist sehr hilfreich und heilsam, diesen Gesang am Anfang jeder Meditation zu rezitieren und auch wirklich zu singen. Das kann in eigenen Melodien oder auch nach Melodien aus tibetischen Zeremonien erfolgen. In der vorliegenden Version (November 2014) werden alle Begriffe vermieden, durch die die Gefahr besteht, dass unsere autoritär gebundenen Geistesmomente, entstanden aus der europäisch theistischen Erziehung, angeregt werden. Möge die Rezitation dazu beitragen, die Befreiung vom Leid zu erringen.

Zufluchtnahme und Entwicklung des Erleuchtungsgeistes
Bis zur Erleuchtung vertraue ich
Buddha, dem Dharma und der Höchsten Gemeinschaft.
Möge ich durch die Verdienste des Gebens und der anderen sechs Vollkommenheiten,
zum Nutzen und Wohl aller Lebewesen,
die Buddhaschaft erlangen.
                                                                                                                          (dreimal wiederholen)

Einladung an alle Buddhas und Bodhisattvas
Ihr Tathagatas, Arhats und vollkommenen Erleuchteten,
ich bitte Euch, schenkt mir Eure Aufmerksamkeit:
Ihr seid die Beschützenden aller fühlenden Lebewesen ohne Ausnahme,
Ihr seid die Mächtigen, die die Armeen des Schädigenden besiegen,
Ihr erkennt das Leer-sein aller Phänomene vollständig und ohne Ausnahme.
Ich bitte euch, kommt mit euren Begleitern an diesen Ort!

Erster Zweig: Verehrung
Ich verneige mich mit Körper, Rede und reinem Geist
vor ausnahmslos all den Löwen unter den Menschen,
den Vollendeten der drei Zeiten
in den Welten der zehn Richtungen.                                                                       (kurze Verneigung)

All die Erleuchteten sehe ich deutlich vor mir,
und durch die Kraft meines Strebens nach guter Lebensführung
verneige ich mich vor ihnen
mit geneigten Körpern, die so zahlreich sind,
wie die kleinsten Teilchen in der Welt.                                                                     (kurze Verneigung)

Ich denke daran, dass auf jedem Teilchen Buddhas verweilen,
inmitten von Bodhisattvas und so zahlreich
wie die kleinsten Teilchen in der Welt.
So erfüllen die Buddhas alle Bereiche der Wirklichkeit.

Mit Meeren unerschöpflichen Lobes,
mit den Ozeanen aller Klänge mannigfaltiger Melodien
verkünde ich die vortrefflichen Eigenschaften aller Vollendeten
und preise alle zur Glückseligkeit gegangenen.                                                         (kurze Verneigung)

Zweiter Zweig: Darbringungen
Ich bringe den Erleuchteten Gaben dar
mit edlen Blumen und edlen Girlanden,
mit Wohlklang, duftenden Salben und herrlichen Schirmen,
mit schönsten Lichtern und erlesenem Duftrauch.

Edle Kleider und besonderer Duft,
in kunstvoll verzierten Schalen dargebrachte Puder,
die dem Berg Meru gleichen –
alle besten Gaben in außergewöhnlicher Anordnung
bringe ich den Erleuchteten dar.

So weiß ich bei all den Erleuchteten diese
unübertroffenen, ausgedehnten Gaben.
Durch die Kraft des Vertrauens in die Gute Lebensführung
verneige ich mich vor allen Erleuchteten
und bringe ihnen Verehrung und Gaben dar.                                                             (kurze Verneigung)

Dritter Zweig: Bereinigung
Ich bedaure jede einzelne schädigende Handlung,
die ich mit Körper, Rede oder Geist
durch die Macht von Begierde,
Hass und Unwissenheit beging.                                                                  (innehalten und bedenken der vergangenen Fehler)
                                                                                                                           (kurze Verneigung)

Vierter Zweig: Erfreuen
Ich erfreue mich an allen verdienstvollen Handlungen
All der siegreichen Buddhas, ihrer Söhne und Töchtern,
den Bodhisattvas, denen der Allein-Verwirklichenden,
der Lernenden und Nicht-mehr-Lernenden
und auch an denen aller anderen Wesen.
Ich schätze sie hoch und will sie nachahmen.                                                            (kurze Verneigung)

Fünfter Zweig: Ersuchen
All die Beschützenden,
die das Licht in den Welten der zehn Richtungen sind,
die Schritt für Schritt zur Erleuchtung erwacht sind
und das Nicht-Begehren eines Buddha erreicht haben,
ersuche ich, das unübertroffene Rad der Lehre zu drehen.                                          (kurze Verneigung)

Sechster Zweig: Bitten
Mit gefalteten Händen bitte ich all jene, die die Absicht haben könnten,
ihren Eingang ins Nirvana zu zeigen und die Welt zu verlassen,
für so viele Zeitalter, wie es Teilchen in den Welten gibt,
hier zu verweilen, um allen im Daseinskreislauf Wandernden
zu verhelfen, ihr Glück zu finden.                                                                             (kurze Verneigung)

Siebter Zweig: Widmung
All das Wenige an Heilsamem, das ich durch
Anerkennung, Darbringen, Bekennen, Erfreuen,
Ersuchen und Bitten gesammelt habe,
widme ich dem Erreichen der vollendeten Erleuchtung,
zum Nutzen und Wohl aller Lebewesen.                                                                     (kurze Verneigung)

Mandala Darbringung                                                                                (mit entsprechender Handhaltung)
Dieses Mandala, dessen Boden mit wohlriechendem
Wasser besprengt und mit Blumen bestreut ist,
das mit dem Berg Meru und den vier Kontinenten
sowie mit Sonne und Mond geschmückt ist, bringe ich dar,
nachdem ich es mir als reines Buddhaland vorgestellt habe.
Mögen sich alle fühlenden Wesen an diesem Reinen Land erfreuen.

Mögen allgemein in den Ländern der weiten Welt und hier in diesem Land
keine Krankheiten, Hungersnöte und Kriege entstehen,
mögen die Lebewesen durch die Freude und das Glück
spirituellen Reichtums Erfüllung finden,
und mögen sich vollkommene Lebensumstände in Herrlichkeit und Wohlstand ausbreiten.

Möge ich in all meinen Leben die gute Lehre des Buddha Shakyamuni,
in der er die Wirklichkeit des Abhängigen Entstehens erhellt hat,
selbst auf Kosten meines Körpers und meines Lebens bewahren
und auch nicht für einen Augenblick lang aufgeben.

Möge ich Tag und Nacht damit verbringen zu bedenken,
mit welchen Mitteln ich diese Errungenschaften,
die der Erhabene durch unermessliche Mühen
nach eindringlicher Übung zur Vollendung gebracht hat,
weiter anwachsen lassen kann.

Idam guru ratna mandalakam niryatayami (kurze Verneigung)

Mantra Rezitation
OM MUNI MUNI MAHA MUNI SV AHA
                                                                                                                       (ca. 2-5 min leise rezitieren)

Widmung
Möge ich durch die Kraft dieser heilsamen Handlung,
den Geist des Buddha Shakyamuni erlangen.
Und möge ich dann ohne Ausnahme,
allen fühlenden Wesen zügig den Weg zur Buddhaschaft weisen.                                (dreimal wiederholen)
                                                                                                                            (kurze Verneigung)

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